Samstag, 8. Januar 2011

Die Maschenprobe

Grundvoraussetzung etwas zu stricken mit den gewünschten Endmassen ist die richtige Maschen- und Reihenzahl.

Deshalb machen wir vor dem richtigen Loslegen zuallererst eine Maschenprobe.
Nun, wie macht man das und was tun wir damit? Genau dies möcht ich hier gerne zeigen.

Um die Maschenzahl berechnen zu können brauchen wir ein Stück Gestricktes. Denn wenn auch oft auf der Banderole der Wolle eine Maschen- und Reihenzahl angegeben ist können wir uns trotzdem nicht darauf verlassen. Jeder strickt etwas anders, der eine lockerer, der andere fester und selten strickt man auch nur einfach glatt rechts.
Deshalb stricken wir die Maschenprobe immer im selben Strickmuster wie danach das Werk gestrickt wird!

Dazu Maschen in etwa Handgelenk mal Pi anschlagen, damit wir eine Breite von ca. 14-16cm bekommen. Da kann uns die auf der Banderole angegebene Maschenangabe ein hilfreicher Anhaltspunkt sein.

Dann im Muster stricken bis wir in etwa ein quadratisches Stück haben.


Ihr fragt euch jetzt vielleicht, weshalb so gross?

Nun, direkt nach dem Anschlag sowie bei den Randmaschen sind die Maschen immer etwas anders und würden unser Ergebnis verfälschen.

Nun gehts ans Messen und Auszählen damit wir zu unseren Rechenfaktoren kommen.
Jaja, Stricken erfordert auch ein bisschen Mathematik. Keine Angst, ich erklär das gleich Alles.

Das gestrickte Stück wird nun so hingelegt, dass wir 10cm in der Breite (für die Maschenzahl) messen können.
Also einigermassen gerade, nicht krumm und schief.
Nicht zu locker, in etwa so wie danach das Strickwerk sein wird. Also eventuell etwas gespannt. Dazu erklär ich aber am Schluss noch ein paar Punkte.

Zum Messen gibts solch tolle Luxusteilchen wie ich hier eins habe, geht aber auch problemlos mit einem Lineal oder Massband. Man kann sich auch selber eine Schablone aus Karton zuschneiden, das Loch muss 10x10cm haben.


Nun schön innerhalb der Maschenprobe, also auch nicht direkt nach dem Anschlag, 10cm abmessen.
Da zählen wir nun die Anzahl Maschen

Bei meiner Probe sind dies nun 12 Maschen
Dies ergibt nun die Grundgleichung zum Rechnen:

10cm = 12 Maschen

Nun möcht ich sagen wir mal ein Teil stricken dass 55cm breit sein soll.

Also rechne ich mir dies nun folgendermassen aus:

10cm = 12 Maschen
55cm = ?

Für Mathematik-Versierte ergibt das eine logische Formel:


Oder anders gesagt: Die 12 Maschen durch 10 teilen, so wissen wir, wie breit eine einzelne Masche ist und multiplizieren mit 55 (= unsere gewünschte Breite) und schon haben wir unsere Maschenzahl

10cm = 12 Maschen
1cm = 12 Maschen : 10 = 1,2 Maschen
55cm = 55 Maschen x 1,2 Maschen = 66 Maschen

Nun kann es natürlich sein, dass die gewünschte Breite nicht immer so schön aufgeht mit Rechnen.
Hier zum Beispiel bei gewünschter Endbreite von 57cm.

10cm = 12 Maschen
1cm = 12 Maschen :10 = 1,2 Maschen
57cm = 57 x 1,2 Maschen = 68,4 Maschen

Natürlich können wir keine Teilmaschen stricken. Dies runden wir nun einfach je nach dem ab oder auf. Ich runde im Allgemeinen eher ab, da Strickwerke je breiter sie sind umso mehr auch auseinanderfallen.

Also würd ich hier für 57cm mit 68 Maschen arbeiten.

Die Randmaschen schlage ich eigentlich fast immer noch dazu. Also noch 2 Maschen dazurechnen. Gilt natürlich nicht für Rundgestricktes oder Tücher und Schals wo, die Randmasche zum Stück dazugehört.

So müsste ich für gewünschte 57cm Breite 68 Maschen plus 2 Randmaschen anschlagen, also total 70 Maschen.

Brauch ich für die Berechnung meines Stückes die Reihenzahl funktioniert das im Prinzip gleich wie die Maschenzahl-Berechnung.


Dazu messen wir einfach in der Höhe die 10cm und zählen die Reihenzahl.
Berechnen letztendlich in derselben Art und Weise wie oben für die Maschenzahl-Berechnung beschrieben.

Grundsätzlich wär noch wichtig zu bedenken, dass verschiedene Materialien auch verschieden reagieren.

Das heisst, dass die Maschenprobe z.B. bei Baumwolle oder Leinen erst gewaschen werden sollte. Und je nach dem auch so gespannt wird, wie wir unser Strickstück spannen werden. Nur so haben wir auch die Garantie, dass unsere Berechnungen stimmen und unser Stück letztendlich die gewünschten Masse hat.

Viele Strickerinnen, nicht nur Anfänger, sträuben sich gegen eine Maschenprobe. Sieht ja auch nach viel Arbeit aus.

ABER es gibt neben der garantierten Passform noch einige Punkte, die dafür sprechen:

- ich finde so die passende Nadelstärke heraus (braucht manchmal auch ein- bis zweimal Anläufe)
- ich lerne mein Material kennen
- bei Strickmustern werd ich mit dem Strickmuster vertraut
- ich erspar mir unnötige Ribbeleien und somit Frust

Hat nun noch irgendwer Argumente, die dagegen sprechen?
Wem dieses klein bisschen Aufwand zuviel ist wünsch ich viel Spass beim Ribbelmonsterbersuch.

Kommentare:

  1. Diese Erklärung ist genial! So toll und ausführlich habe ich das noch nirgendwo gefunden.
    Vielen Dank!!!
    Juliane

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  2. ...bin begeistert!-bis jetzt hatte ich die Mapro immer sehr widerwillig und ,wie ich jetzt aus Deiner Erklärung weiss,falsch gemacht! Danke für diese Motivation und die Matheformel...sagt Doro

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  3. Super Erklärung! Sehr ausführlich und somit leicht nachzuvollziehen. Danke sehr!
    Mel

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  4. Danke für diese Erklärungen!!
    Einfach super!

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  5. vielen dank für die super erklärung. nur eine frage, wenn ich eine mütze stricken möchte, gilt dieselbe formel? vielendank im voraus lg darlene

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    1. Grundsätzlich ja, wobei bei einer Mütze unbedingt die Elastizität mit eingerechnet werden muss. Dafür würd ich die Maschenprobe dehnen, damit die Mütze letztendlich nicht über die Augen fällt. ;-)

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  6. Hallo Alpi, es ist ja so, dass viele Merinowollen beim Waschen deutlich wachsen.
    1. Frage: Wo kommt diese Mehrlänge her? Bei mir wird ein Pulli deshalb nicht unbedingt enger. Dehnt sich die Wolle, oder lässt einfach die Spannung zwischen den Maschen nach?
    2. Frage: Verändert sich das bei der 2. Wäsche nochmal, oder bleibt es dann stabil?
    3. Frage: Liegt es am Schaf von der die Wolle kommt, oder an der Veredelung des Garnes. Wollmeisen-Merinowolle bleibt sehr stabil, hingegen zB. Merinowolle von Lana Grossa ist sehr unstabil. Liebe Grüße und danke für Deine tolle Seite.

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    1. Wolle ist ein Naturprodukt und kann deshalb nicht konstant gleich sein. ;-)
      Schafhaare sind wie Menschenhaare unterschiedlich beschaffen. Genauso verhält es sich innerhalb einer Rasse, Merinowolle schwankt in der Qualität, da jedes Schaf anders ist, die Nahrung, der Gesundheitszustand sowie das Klima das Haarkleid beeinflussen.
      Merino heisst auch nicht unbedingt, dass sie nach dem Verstricken auseinander geht, das ist genauso unterschiedlich wie bei anderen Schafwollen auch.
      Grundsätzlich geht jedes Strickwerk etwas auseinander, ausser man verstrickt es bretthart, was den guten Eigenschaften der Wolle aber nicht dienlich ist. Entscheidend ist auch die Produktion des Garnes, also wie die Wolle gesponnen und verzwirnt ist.
      Die "Veredelung" der Wolle beeinflusst ganz sicher das Verhalten, denn die Superwashausrüstung zerstört die Oberfläche der Haarschuppen (Behandlung mit Chlor und danach Auftrag eines Polyamid-Harzes!). Je nach Stärke und Menge der Chemie, die dabei zum Einsatz kommt, wird die Wolle entsprechend beeinflusst und kann man eigentlich gar nicht mehr von einem Naturprodukt sprechen...

      Das alles sind Faktoren, die das Verhalten beeinflussen. Ob man sich für eine unnatürlich glatt anfühlende und kaum mehr lebendige Wolle oder doch lieber eine möglichst unbehandelte Qualität entscheidet, muss letztendlich jeder selber fällen. ;-)

      Dass ein Pullover stärker reagiert als eine Maschenprobe liegt in der Natur der Sache. Je grösser das Stück, umso grösser die Spanne der Veränderungen. Krause Haare ziehen sich bei Kontakt mit Feuchtigkeit zusammen, diese Spannung lässt, je trockener die Wolle wird, wieder nach, was dann zu der Verlängerung führt, aber auch breiter werden bedeuten kann.
      Grundsätzlich sollte eigentlich nach der ersten Wäsche, selbstverständlich bei immer gleichem Wasch- und Trocknungsverfahren, keine weitere Grössen-Veränderung mehr stattfinden.
      Aber es ist ein Naturprodukt, also auch hier keine Regel ohne Ausnahme. ;-)

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